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Dienstag, 29. November 2011

Alexander Weise - Kritik - Krippenspiel mit Hindernissen

Ingolstadt (DK) „Josef, Maria kriegt ein Baby.
Das ist ein Wunder.“ „Ist es jemand, den ich. . . “ „Nicht fragen!“ „Wann soll es denn . . . “ „Weihnachten.“ Nach dieser ziemlich schonungslosen Verkündigung durch den Erzengel Gabriel macht sich Josef erst mal ein Bier auf. Und fügt sich ins Unvermeidliche. Obwohl das mit Maria gar nicht mehr so gut läuft. Ständig nörgelt sie rum. Und kochen tut sie auch nie. Aber schließlich: Wenn so ein richtiger Erzengel . . . Also, auf nach Betlehem. Der Rest ist bekannt.
Die Weihnachtsgeschichte steht auf dem Programm des Stadttheaters Ingolstadt. Und dass zwei Stunden lang nur gelacht, gelacht, gelacht und am Ende minutenlang geklatscht, geklatscht, geklatscht wird, liegt daran, dass dieses schwarzhumorige Krippenspiel aus der Feder des Briten Patrick Barlow stammt. Er erzählt von zwei ambitionierten Laiendarstellern, die sich auf bedeutende Werke der Weltliteratur spezialisiert haben – und gerade am Weihnachtsevangelium herumdilettieren. Engel und Hirten, Schafe und Kamele, Gott und das Volk, Herodes und die Weisen aus dem Morgenland, Maria und Josef und ihre Hebamme: Zu zweit wollen Bernhard und Theo in ihrem armseligen Theater mit rotem Billig-Vorhang und vielen Krimskrams-Kisten (Ausstattung: Steven Gordon Koop) die große Geschichte stemmen. Und mit kolossalem Vergnügen schaut man ihnen beim Scheitern zu.
Unter der Regie von Manuela Brugger spielen Nik Neureiter und Alexander Weise im Studio diese beiden glücklosen Akteure, die sich mit heiligem Ernst an der frohen Botschaft abarbeiten – und dabei ständig aus der Rolle fallen. Schließlich sind sie nicht nur zarte Künstlerpflänzchen, sondern auch Kleinstadtneurotiker mit großem Ego, großen Ansprüchen und noch größeren Ängsten.
Es ist ein Stück in bester Monty-Python-Manier, das seine Komik aus der Karikatur des Schauspiel-Gestus, der waghalsigen Vergröberung, der prätentiösen Künstlichkeit, den raschen und aberwitzigen Rollenwechseln, dem ständigen Aus-der-Rolle-fallen gewinnt. Je ernsthafter und genauer hier gearbeitet wird, desto größer der Effekt. Dieser Humor liebt das Leichtfüßige, Hintersinnige, Überraschende. Regisseurin Manuela Brugger spielt mit den Ausdrucksformen des Genres, gibt ein schönes Tempo vor, inszeniert punktgenau und kann sich auf zwei exzellente Schauspieler verlassen, die den Kraftakt vom ersten Stolperer bis zur Autogrammkartenausgabe mit Bravour meistern.
Alexander Weise und Nik Neureiter „stümpern“ nach Herzenslust, zelebrieren Regieanweisungen mit List und Tücke, improvisieren und debattieren, verzetteln sich im Chaos, jammern und strahlen, geben sich tumb und wortkarg, emanzipiert und mimosenhaft, kauzig und zärtlich, graziös und rabiat, verzückt und verzweifelt – je nach Rolle. Wie sie aber immer wieder zurückfinden in ihre Bühnen-Ichs, in Theo und Bernhard, wie sie ihre Kräfte messen, wie sie vom wilden Spiel in die Krise stürzen, Existenzielles verhandeln, wie plötzlich berückend leise Momente entstehen, das ist allerfeinstes Schauspielertheater – und herrlich anzusehen. Ulrike Deschler sorgt als Stichwortgeberin, Schiedsrichterin und Opernsängerin Erna Timm mit musikalischem Wohlklang für die passende adventliche Stimmung. Jetzt kann Weihnachten kommen. Halleluja!
Von Anja Witzke

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