...Agenturmeldung... N E U...

...Agenturmeldung... N E U...
[... zurück zur Hauptseite von RED CARPET ACTORS

Montag, 24. September 2012

Alexander Weise in „Der Kaufmann von Venedig und sein Traum von Was ihr wollt“ als Shylock/Malvolio



Alexander Weise feierte mit großem Erfolg seine Premiere als Shylock/Malvolio in Patrick Schlössers Inszenierung von „Der Kaufmann von Venedig und sein Traum von Was ihr wollt“ am Staatstheater Kassel. Die Inszenierung verbindet dabei jene großen Komödien, die sich überraschend spiegelbildlich entsprechen. Figuren und Motive verschmelzen zu Leitmotiven des Shakespeareschen Menschenbildes. Das Publikum sowie die regionale und überregioniale Presse waren begeistert:
Wolfgang Behrens schreibt in nachtkritik: „Wenn man Alexander Weise in der Rolle des Shylock sieht, dann kann einem angst und bange werden. Dieser Shylock ist aalglatt, wendig, schnell und von schneidender Intelligenz, er lächelt süffisant und artikuliert mit ostentativer Kontrolliertheit. Alexander Weises brillantes Spiel und die ambivalente Weise, wie er die klischeehafte, den Juden zugeschriebene selbstgefällige Gewieftheit und grienende Verschlagenheit ausspielt, werfen aber sofort Fragen auf: Wie nah darf man Shylock an antisemitisch motivierte Stereotype heranrücken, selbst wenn man sie reflektieren will? Der eigentliche Kunstgriff Schlössers aber besteht darin, die Rollen von Shylock und Malvolio ineinanderfallen zu lassen. Malvolio, der sittenstrenge puritanische Diener aus "Was ihr wollt", ist ein Außenseiter wie Shylock, nur weitaus naiver. Und folgerichtig wird er zum Opfer einer wahrlich infamen Intrige seiner Mitmenschen. Alexander Weise darf hier zwar als treuherzig gelackmeierter Snob den begnadeten Komödianten geben, doch er findet auch herzzerreißende Töne für die Abgründe, die sich Malvolio in seiner brutalen Demütigung offenbaren. Wenn des Kaufmanns "Was ihr wollt"-Traum zum Ende kommt, ist Shylock durch Malvolio hindurch ein anderer geworden. Es scheint, als habe Shylock, um sich die Demütigung Malvolios vom Leib zu halten, die Rolle des Judenklischees bewusst auf sich genommen: Lieber bewusst der Außenseiter sein als zu einem gestempelt werden. Die überaus bittere Pointe von Patrick Schlössers Inszenierung ist, dass seinem Shylock die letzte Entwürdigung trotzdem nicht erspart bleibt. In Abweichung zu Shakespeare wird Shylock hier nicht dazu verurteilt, Christ zu werden, sondern man lässt ihn die antisemitisch vorcodierte Rolle des Juden weiterspielen und in ihr hässlichstes Extrem treiben. "Meine Rolle muss weitergehen", sagt Alexander Weise und verwandelt sich in die Karikatur eines osteuropäischen Juden, wie sie der "Stürmer" abscheulicher nicht hätte erdenken können.“
Und die HNA meint: „Der großartige Alexander Weise zeigt am überzeugendsten, wie sich die beiden Wackelbild-Figuren gegenseitig verstärken können. Sein Malvolio, der in einem falschen Liebesbrief aufgefordert wird, ständig zu lächeln, muss erst üben, seine Lippen nach oben zu biegen - und bricht jedesmal weinend zusammen. Sein Shylock fühlt sich den Christen intellektuell überlegen, kalt, aber mit unterdrücktem innerem Brodeln begegnet er ihnen. Der malvolio-isierte Shylock schließlich weiß: Es ist die Gesellschaft, die ihre Außenseiter erschafft, und er bedient ihre Erwartungen in tiefster Bitterkeit.“


Weitere Informationen und Tickets unter www.staatstheater-kassel.de
Links:

Nachtkritik
Kulturnachrichten